Wein- und Rumhaus Braasch

25.11.2015

Tradition mit Geschmack

Wie genießt man eigentlich einen guten Rum richtig? „So wie er einem am besten schmeckt“, erklärt Walter Braasch kurz und knapp mit einem Augenzwinkern.

Braasch selbst zelebriert das Rumtrinken in der Regel aus einem sogenannten „Nosing-Glas“, um das Aroma zu „erschnüffeln“, bei Zimmertemperatur und am liebsten natürlich mit einem guten Tropfen aus der eigenen „Kollektion“.

„Wenn jemand sich für ein breites Glas entscheidet, einen Eiswürfel dazu tut oder den Rum mit Cola mischt, ist das Geschmackssache und für mich kein absolutes Tabu. Die Cola verliert dadurch nicht an Qualität, der Rum schon eher“, meint er mit einem verschmitzten Lächeln.
Vor knapp 40 Jahren hat sich Walter Braasch mit dem Weinhandel in der Fördestadt selbstständig gemacht. Mit dem Wein- und Rumhaus Braasch in der Roten Straße besitzt er eines der renommiertesten Häuser im Norden für edle Tropfen und das besondere „Gold der Karibik“. Der gelernte Destillateur ist zudem ein echter „Rum-Macher“. Seine Ausbildung absolvierte er bei der Spiri­tuosenfabrikation Hermann C. Andresen. Damals florierten in Flensburg immerhin noch rund 25 Spirituosenfabriken und Rumhäuser. Aber der Markt befand sich bereits im Umbruch.
Die Großen kauften die Kleinen, die Qualität sank, der Preis fiel, und Walter Braasch wandte sich dem vielschichtigen Weinhandel zu. Doch seine Liebe zu den köstlichen Spirituosen aus Zucker­rohr ließ ihn nicht los. Er beobachtete die Entwicklung und Qualität der einstmals so berühmten Spirituosenhäuser und ihrer Produkte. Als 1998 das letzte große Haus in Flensburg die Produktion von Hansen Rum, Bommerlunder und vielen weiteren Sorten einstellte und damit die Tradition der Rumherstellung in Flensburg einzubrechen drohte – es war nur noch ein Rumhaus übrig – legte Walter Braasch den Grundstein für seinen eigenen Rumverkauf. Er ließ sich hochwertige Muster aus verschiedenen Rumhandelshäusern zukommen und legte ein altes Rezept aus Lehrlingstagen neu auf.
Mittlerweile ist das Sortiment der Rumspezialitäten des Hauses gewachsen. So gibt es neben dem „Braasch Rum Vanille“, der sein besonderes Aroma durch die Zugabe einer Naturvanilleschote erhält, auch eine höherprozentige Variante mit 54 %. Warum nicht 53 % oder 55 %? Ganz klar – die 54 steht für das Geburtsjahr des „Erfinders“. Mit dem „Great­house-Rum“ hat Walter Braasch ein Geschmackserlebnis verewigt, dessen exquisite Note er im ältesten Herrenhaus der Insel St. Croix kennen lernte. Ein „Muss“ für Genießer sind die zwei Rum-Liköre: der Kräuterlikör mit feiner Note von Kräutern, Wurzeln, Pommeranzen und süßen Orangenschalen und der Fruchtlikör, in dem Jamaika-Rum und Frucht- und Beerenaromen eine erlesene Allianz eingehen. Und dann gibt es da noch den Rum-Topf, die Rum-Trüffelcreme, Rum-Pralinen, Schokolade... und weitere köstliche Verführungen.
Abgefüllt wird der Rum übrigens in Handarbeit. Und wer neugierig auf Wissenswertes ist, sollte einen Rundgang im hauseigenen Rum-Museum machen. Mit viel Sorgfalt hat Walter Braasch die Rum-Geschichte Flensburgs, aber auch Geschichten über und um den Rum auf kleinsten Raum informativ zusammengestellt. Hier lädt der Rum-Kenner auch seine Kunden gerne zu einer kleinen Verkostung seiner eigenen Rumsorten ein: „Der beste Verkäufer ist das Produkt selbst.“
Doch nicht nur mit Rum und Wein hat sich Walter Braasch einen Namen über die Grenzen Flensburgs hinaus gemacht. Vor über dreißig Jahren wollte Walter Braasch als frischgebackener Ladeninhaber seinen Rotweinverkauf ankurbeln und kochte nach einem alten Familienrezept einen Punsch aus gutem, wie bereits erwähnt, Rotwein. Er setzte sich an einem Sonnabend, ausgestattet mit Fellmütze und Seehundstiefeln als Kälteschutz, vor sein damaliges Geschäft am Holm und schenkte aus einem Topf – zum Erstaunen der Passanten – erste Punschkostproben aus. Eigentlich sollte es der Anreiz sein, dass sich die Kunden den Punsch zu Hause selbst herstellen, doch mit seinem unverwechselbaren Rezept erreichte er, dass der Punsch von nun an ein begehrtes Produkt war und Walter Braasch legte, ohne es zu ahnen, den Grundstein des Flensburger Weihnachtsmarktes.

Die Rumstadt Flensburg

Die Geschichte des Flensburger Rums ist eng verbunden mit dem großen Zeitalter der Seefahrt, der Eroberungen und Entdeckungen. Den Namen „Rumstadt“ verdankt Flensburg dabei seiner ehemaligen Zugehörigkeit zum dänischen Königreich. Im 18. Jahrhundert war Flensburg neben Kopenhagen und Altona einer der bedeutendsten Handelshäfen für die Schiffe der Westindien-Flotte. Auf der Suche nach Zucker brachen sie in die karibischen Kolonien Dänemarks auf und brachten neben dem Rohrzucker auch das Destillat desselben nach Flensburg, den Rum. In der Blütezeit des Rums gab es in Flensburg über 200 Rumhäuser – heute legen noch zwei Rumhäuser feine Kreationen vor: die Firma A. H. Johannsen in der Marienstraße und das Wein- und Rumhaus Braasch in der Roten Straße.(Quelle Wein- und Rumhaus Braasch)

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