Simon Dethlefs

30.05.2018

Der Holzbildhauer von der Geest

Seinem Gesellenstück von 2014 sieht Simon Dethlefs heute erstaunlich ähnlich.

Simon Dethlefs konzentriert bei der Arbeit – das wird eine Katze. Fotos: Schlüter

Zurück von der Walz hat sich Simon Dethlefs in Nordfriesland einem alten Handwerk verschrieben. Als Simon Dethlefs im Spätsommer 2017 nach dreijähriger Walz zurück in sein Heimatdorf kam, war sich der junge Holzbildhauer bereits im Klaren darüber, wo und wovon er künftig leben will: „Ich möchte Holzskulpturen schnitzen und Restaurierungen machen“, verkündete der gebürtige Pobül-ler. Gesagt, getan: Gemeinsam mit Freundin Sofia bezog er das Obergeschoss seines Elternhauses und richtete sich darunter mit Hilfe seines Vaters eine Werkstatt ein, die ihm nicht nur viel Platz, sondern auch Licht und Luft bot. Dort stellte er eine kleine Serie hölzerner Stelen mit Tierfiguren her. Mittlerweile thront ein niedliches Schweinchen vor dem Eingang, während ein Eichhörnchen vor einem Haselstrauch verharrt und ein Hase darauf wartet, von seinem neuen Besitzer, einem Jäger, abgeholt zu werden. In der Werkstatt steht eine Katze kurz vor ihrer Vollendung. Weitere Tiere, andere Motive sollen folgen.
Für Stelen dieser Art erstellt der junge Künstler zuerst eine Skizze und ein Drahtgestell, aus dem dann mit Hilfe von Ton oder Gips ein naturgetreues Modell entsteht, das später in der jeweiligen Größe umgesetzt wird. Für den ersten groben Holzzuschnitt nimmt er die Band- oder Kettensäge. „Hauptsächlich arbeite ich mit speziellen Schnitzeisen“, erklärt er und verrät, dass er manchmal, wenn Feinheiten stärker herausgearbeitet werden sollen, auch zur Raspel greift. Oder zu den indi-viduellen Schnitzmessern, die er sich auf der Walz selbst angefertigt hat. Zum Schluss sind die Ober-flächen dran: „Mit Öl lässt sich die natürliche Holzstruktur besonders schön hervorheben“, sagt der Fachmann, der alternativ auch Wachs oder Lack einsetzt. Das alles braucht seine Zeit: „In den ge-schnitzten Figuren stecken oft mehrere Wochen Arbeit, selbst wenn ich dafür jeden Tag acht Stun-den in der Werkstatt stehe.“
Den Grundstock für das, was er heute kann, legte der 26-Jährige vor sieben Jahren, als er nach der Tischlerlehre die Werkkunstschule in Flensburg besuchte – eine der ganz wenigen Fachschulen dieser Art in Deutschland. Dort lernte er in drei Jahren das gesamte Spektrum der Bildhauerei ken-nen. „Die beste Möglichkeit, dieses Wissen zu vertiefen, ist die Walz“, weiß er heute. Auf der Wan-derschaft lernte er bei Bildhauern im In- und Ausland regionaltypische Werkzeuge und andere Her-Angehensweisen kennen und erfuhr viel über die Finessen bei der Verarbeitung unterschiedlicher Hölzer. Gut bearbeiten lassen sich Eiche, Linde und Ahorn. Dass der junge Nordfriese am liebsten mit Zirbelkiefer arbeitet, weil das Holz so herrlich duftet, zeugt von seiner großen Naturverbun-denheit.  
Thomas Hildenbrandt in der Nähe von Schwäbisch-Hall weihte den fleißigen Wandersmann ganz selbstverständlich in viele kleine Berufsgeheimnisse ein. In Schottland sollte er Wappen schnitzen. „Das hat mir zwar Spaß gemacht, brachte mich aber nicht wirklich voran“, erinnert sich Simon und spricht viel lieber von der Zeit auf dem Darß, wo er Motive für die traditionsreichen Haustüren schnitzen lernte, und an Luis Höger in Garmisch-Partenkirchen, der ihm das Schnitzen von Teilen für hochwertige Krippenfiguren anvertraute. „Da ein Holzbildhauer im Rahmen seiner Ausbildung lernt, wie man vergoldet und die „farbige Fassung“ aufträgt (Figuren bemalt), gehört es auch zu seinen Aufgaben, von wertvollen Relikten, die ins Museum sollen, täuschend echte Kopien anzu-fertigen“, erklärt Dethlefs.
Stolz zeigt er sein Wanderbuch mit den handschriftlichen Einträgen und Beurteilungen seiner Lehrmeister, die von aufwendigen Altar-Instandsetzungen erzählen, von einer bewegenden Be-gegnung mit der heiligen Madonna in Südtirol und von der anspruchsvollen Restaurierung einer mehr als 300 Jahre alten Jesus-Darstellung. Da nicht nur das hölzerne Kreuz zerstört war, sondern auch die Arme und die Füße der Figur, schnitzte er für den Messias völlig neue Gliedmaßen – eine Arbeit, die ihn tief beeindruckt hat.
Dass er seinem 2014 geschnitzten Gesellenstück – einem schlanken, jungen Mann mit Schieber-mütze auf dem Kopf und auf einem Kistenstapel sitzend – inzwischen erstaunlich ähnlich sieht, sei reiner Zufall, meint Simon Dethlefs: „Das sollte kein Selbstporträt werden. Ich habe nur das vorge-gebene Thema ‚Der Mensch von neben‘ bedient“, sagt er lachend. Die Zielgruppe für seine Arbei-ten sieht er bei allen, die wie er Freude an der Kunst und am Naturmaterial Holz haben.

Interessierte erfahren mehr unter www.simon-dethlefs.com oder unter Telefon 04843 9739499.

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