Fielmann - Teil 2

03.05.2018

BIO- und Brillenbauer

Als Bildunterschrift: Fielmann pflanzt für jeden Mitarbeiter jedes Jahr einen Baum, bis heute mehr als 1,5 Millionen Bäume. Günther Fielmann: „Wer Bäume pflanzt, pflanzt Zuversicht. Wir pflanzen Bäume nicht nur für uns, wir pflanzen Bäume für nachwachsende Generationen.“

In unserer vorherigen Ausgabe „DIE BESTEN im Norden“ lernten wir Günther Fielmanns Engagement für Denkmalpflege und Denkmalschutz kennen - „DIE BESTEN im Norden“ war zu Gast in der Fielmann Akademie Schloss Plön. Besondere gesellschaftliche Verantwortung zeigt Fielmann, wenn es um seine Herzensangelegenheit geht: Die ökologische Landwirtschaft.  
Aufgewachsen ist Günther Fielmann in Stafstedt bei Rendsburg. Abends half er, die Kühe zum Melken zu treiben, fing Forellen im Bach. Die wunderschöne Knicklandschaft seines Heimatdorfes hat ihn nachhaltig geprägt. Einmal einen Hof zu besitzen, das war sein Jugendtraum. Und als das – durch den Erfolg in der Augenoptik – möglich wurde, hat er sich diesen Traum verwirklicht. Auf mehr als 2.000 Hektar betreibt der Brillenbauer biologische Landwirtschaft und Viehzucht. Inzwischen besitzt Günther Fielmann drei Biobetriebe in Schleswig-Holstein: Hof Lütjensee in Stormarn, Hof Ritzerau im Herzogtum Lauenburg und Gut Schierensee bei Kiel im Landkreis Rendsburg-Eckernförde.
Die Dachmarke seiner Produkte trägt den Namen „Hof Lütjensee“ und steht für redlichen, ökologischen Anbau, wohlschmeckende und gesunde Naturkost, sowie artgerechte Tierhaltung, Landschaftspflege und Naturschutz. In Lütjensee betreibt Fielmann auch einen eigenen Hofladen. Als Bioland-Mitglied sind seine Betriebe ein Teil des größten deutschen Ökoverbandes.
Wie aus dem Brillenbauer ein Biobauer wurde? Durch die Macht des geschriebenen Wortes. Nach der Lektüre des Sachbuches „Der stumme Frühling“, von Rachel Carson, welches sich mit Auswirkungen chemischer Pflanzenschutzmittel auf die Gesundheit des Menschen beschäftigt, wollte Fielmann möglichst nichts konventionell Erzeugtes mehr essen. Im festen Glauben daran, dass der Verzicht auf Pestizide und Medikamente in der Landwirtschaft der richtige Weg zu einer gesunden Ernährung ist, wurde aus Deutschlands erfolgreichstem Optiker 1989 nun eben auch ein Landwirt. Beim Glauben an eine gesunde Ernährung durch den Verzicht auf Dünger oder Spritzmittel sollte es freilich nicht bleiben. Seit 2002 will Günther Fielmann zeigen, dass sich auch mit einer nachhaltigen biologischen Landwirtschaft ohne Massentierhaltung Geld verdienen lässt.
Auf Hof Ritzerau realisiert das Ökologiezentrum der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel ein langfristig angelegtes Monitoringprogramm, bei dem die Umstellung konventionell bearbeiteter Flächen auf ökologische Bewirtschaftung wissenschaftlich begleitet wird, um dann über einen Zeitraum von zunächst 15 Jahren den biologischen Landbau zu beobachten. Wie heißt es auf der Internetseite der Wissenschaftler? „Im Konfliktfeld von Ökologie und Ökonomie werden die Auswirkungen der konventionellen Landwirtschaft und die Folgen des biologischen Landbaus auf Boden, Wasser, Pflanzen und Tiere untersucht.“ Das muss man wohl übersetzen:
Im konventionellen Ackerbau sorgt das Einsetzen von Pestiziden leider auch für nahezu insektenfreie Landstriche. Angebaut wird, was den größten Ertrag in der kürzesten Zeit bringt, nicht was zur Bodenbeschaffenheit oder der Fruchtfolge des Ackers passt. Dieses Auslaugen der Böden hinterlässt kein fruchtbares Land: Der gestresste Boden ist arm an für die Pflanzen wichtigen Nährstoffen und wird, um überhaupt Ernte zu erbringen Jahr für Jahr mit Dünger regelrecht gedopt. Wo kein Käferchen mehr krabbelt und kein Regenwurm mehr kriecht, gibt es auch schon bald keine Vögel mehr. Das Ökosystem bricht zusammen. Genau dies will Fielmann durch seine Art der ökologischen Landwirtschaft verhindern.
Wirklich erfreulich sind die Beobachtungen auf der rund 250 Hektar großen Fläche des Hofes Ritzerau, die einst konventionell landwirtschaftlich genutzt wurde. Gab es anfangs kaum mehr 20 verbliebene Lärchenpaare, sind es –nach jahrelanger nachhaltiger Bepflanzung – mittlerweile wieder mehr als 60. Inzwischen hat das ökologisch bewirtschaftete Gebiet auch die höchste Dichte an Greifvögeln in ganz Schleswig-Holstein. Offensichtlich erholt sich das Land zunehmend und bedankt sich zusätzlich zu erhöhtem Gezwitscher auch mit wertvollem Ertrag.
Die Höfe Lütjensee und Ritzerau werden als Einheit bewirtschaftet. Die Getreideernte - Weizen, Roggen, Dinkel, Hafer und Gerste – wird in Ritzerau getrocknet und gelagert. Biobäcker backen mit Fielmanns Korn, Getreideflocken von ihm sind käuflich. Die Reste des Getreideanbaus werden im Winter an die eigenen Tiere der Höfe verfüttert. Auf Lütjensee und Ritzerau leben 50 Rinder, davon 19 Mutterkühe und ein gekörter Bulle.
Den denkmalgeschützten Herrensitz Gut Schierensee erwarb Günther Fielmann 1997 von der Witwe des Verlegers Axel Springer. Gut Schierensee ist Denkmalpflege in privater Hand und mit über 1.600 Hektar landwirtschaftlicher Fläche -davon 640 Hektar Acker, 270 Grünland, 500 Hektar Forst, 100 Hektar Seen und Biotopen- für jeden „In-Hektar-Denkenden“ eine echte Größe. Neben Ackerbau und Forstwirtschaft züchtet Gut Schierensee das selbstbewusste, kerngesunde und langlebige Limousin-Rind: Knapp 400 Tiere zählt die Herde mit hervorragender Genetik dank bester Züchter. Die Kühe behalten ihre Hörner und grasen mit den Bullen auf der Weide. Die Kälber verbleiben bei ihren Müttern und werden von ihnen großgezogen. Den Winter verbringen die Rinder im großzügig bemessenen Freilaufstall, in dem sie ihren Individualbereich finden und sich wohlfühlen. Zugleich können sie jederzeit in den Außenbereich. So schön kann das Leben einer Kuh sein… Günther Fielmann denkt ganzheitlich. Produziert wird in einem geschlossenen Kreislauf. Das heißt: Fielmann hält nur die Zahl an Tieren, die er auch mit dem selbst angebauten Biogetreide ernähren kann. Auch eine kleine Gruppe von Holsteiner Warmblutpferden und die weltgrößte Herde der im Bestand gefährdeten –Achtung kein Wortwitz- „Brillenschafe“ beherbergt Gut Schierensee.
Seiner Entschlossenheit und seinem Willen, Dinge zu verändern, verdankt Günther Fielmann seinen beruflichen Erfolg. Beide zusammen sind auch die Basis seines ökologisch verantwortlichen Handelns. Wenn Günther Fielmann auf dem Traktor mitfährt oder einfach nur Zeit auf seinen Biohöfen verbringt, spürt man, wie sehr ihm daran liegt. Er achtet auf Details, überlässt nichts dem Zufall. Die meisten seiner Tiere – und das sind nicht wenige – kennt er beim Namen. Ökologische Landwirtschaft ist eben mehr als nur ein Hobby für Günther Fielmann. Es ist eine Haltung.

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