Das Schloss des Brillenkönigs

03.05.2018

Der Weitblick des Günther Fielmann

Fotos: Jochen Knoblauch, Dirk Schneider und Werner Hutmacher

Hoch über Plön thront sein Schloss. Beinahe wäre es für immer verloren gewesen. Nun strahlt es wieder in neuem Glanz und trägt einen neuen Schatz in sich: Wissen und Weitsicht. „DIE BESTEN im Norden“ ist zu Gast im Hause Fielmann, genauer gesagt der Fielmann Akademie Schloss Plön. Hier wird die Elite der deutschen Augenoptik ausgebildet.

In nur drei Jahren von 1633 bis 1636 auf den Überresten einer mittelalterlichen Burg wurde das Schloss durch Herzog Joachim Ernst von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Plön auf einer Anhöhe mit direktem Blick über Plöner Seen erbaut. Schon der Herzog hatte eine Affinität zur Optik und neben seiner über 10.000 Bände starken Schlossbibliothek sammelte er in der Plöner Residenz verschiedene optische Geräte und Messinstrumente. Womöglich hatte er auch „schlechte Augen“, denn er schliff auch selbst Augengläser. Nachdem seine familiäre Linie ohne männliche Nachkommen blieb, ging das Schloss schließlich in den Besitz des dänischen Königshauses über. König Christian XIII verpasste dem Prunkbau einen klassisch dänisch-weißen Putz und nutzte das Gebäude als Sommerresidenz. Tatsächlich wurden alle Möbel jedes Mal eigens für diesen Anlass hin und her transportiert.

Später – das Schloss war inzwischen eine königlich preußische Kadettenanstalt, die Offiziersanwärter des Kaiserreiches militärisch drillte – wurde das Gebäude offiziell zur „Prinzenschule“ aufgewertet: Alle sechs Söhne von Kaiser Wilhelm II wurden hier ausgebildet.

Seit 1920 staatliche Bildungsanstalt mit humanistischem Bildungsideal, begann für das Plöner Schloss ab 1933 keine gute Ära: Es wurde Nationalpolitische Erziehungsanstalt. Und wie zu der Zeit üblich hatte vor allem die Schlosskapelle darunter zu leiden: Die heute wieder wunderschön restaurierten Wandmalereien wurden damals einfach übermalt. Eine Zwischendecke wurde eingezogen, im oberen Teil Versammlungslokal, darunter Fahrradkeller, entweihten die Nationalsozialisten diesen heute wieder in sakraler Pracht strahlenden Raum, in dem nun Lesungen, Konzerte und sogar standesamtliche Hochzeiten stattfinden.

Ab 1946 bis 2001 wurde das Schloss Plön als staatliches Internat genutzt oder wohl leider eher benutzt. „Runter gerockt“ traf den optischen und baulichen Zustand des ehemals ehrwürdigen Anwesens am ehesten. Denn Gelder, um das mittlerweile dringend sanierungsbedürftige Schloss instand zu setzen, konnte das Land nicht aufbringen. Günter Fielmann – selbst im schleswig-holsteinischen Stafstedt bei Rendsburg aufgewachsen - nahm die Herausforderung an, und so erstrahlt nach einer Investition von 35 Millionen Euro in Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz das Schloss in neuem Glanz.

Umfangreiche rekonstruierende Arbeit war nötig. Marode Fenster, einstürzende Dachbalken, nicht mehr tragfähige Flure überall. Als Fielmann das historische Gebäude übernahm, war es in einem bedauerlichen Zustand. Neue Stahlträger und Zwischenböden sowie ein neuer Dachstuhl sorgten für Stabilität, zahlreiche Wände, die ehemalige Säle des Schlosses in Umkleidekabinen, Gemeinschaftsduschen oder Schlafzimmer unterteilt hatten, wurden zurückgebaut.

Sogar verschollen geglaubte Grabplatten wurden im Untergrund der Kapelle wieder entdeckt, die Gruft konnte wieder in ihren Originalzustand versetzt werden. Heute finden im Rittersaal wieder Veranstaltungen statt, kostenlose Führungen erlauben der Öffentlichkeit Einblicke in die Bibliothek und das herzogliche Alkovenzimmer – der Herzog empfing im Paradebett liegend. Allerdings waren die gesamten Räumlichkeiten bei Übernahme von Fielmann leer oder zumindest frei von dem Ort entsprechenden Möbeln. Kurzerhand wurden Kunsthistoriker mit der Suche nach antikem, aber heute dennoch nutzbarem Mobiliar beauftragt. Für diesen „finalen Feinschliff“ investierte Fielmann weitere fünf Millionen Euro.

Wie passt denn nun die gezeigte Dekadenz des opulenten Rokoko zu einem Unternehmen, das mit seiner Nulltarif-Brille bekannt wurde? Fest steht Günter Fielmann ist mit seiner Unternehmensstrategie schon oft angeeckt. Nicht jedoch beim Kunden,  der durch Fielmanns Brillenchic zum Nulltarif bereits 1981 vom zeitlos hässlichen Kassenbrillen-Look befreit wurde. Als Fielmann damals aus den sechs erhältlichen Sozialprothesen, die es auf Rezept gab, eine Nulltarif-Kollektion von mehr als 600 modischen Fassungen machte, ging ein Aufschrei durch die Branche.

Die augenoptische Branche ist ein hart umkämpftes Pflaster. Und jede zweite in Deutschland verkaufte Brille ist von Fielmann.
Warum das so ist, leuchtet schnell ein: Totale Konsequenz in der Qualität der Qualifikation der Mitarbeiter, der Serviceorientierung – Leitsatz „Der Kunde bist du!“ - Jede - und Fielmann meint JEDE- Reklamation wird anerkannt. Fielmann Optiker sind von dem Druck befreit, möglichst teure Brillen verkaufen zu müssen, denn es wird keine Provision gezahlt, sondern von vorneherein übertariflich vergütet. Und die so gewonnene, messbare Kundenzufriedenheit wird mit Prämien, Aktien oder Geschenkkörben belohnt. Damit profitieren die Fielmann Mitarbeiter direkt vom Erfolg des Unternehmens, den sie selbst vorantreiben.

Dieses unmittelbare Wechselspiel von Einsatz zu Erfolg verkörpert jeder Fielmann, jede Fielfrau. Lars Hellberg, Geschäftsführer der Fielmann Akademie Schloss Plön führt durch das Schloss, zeigt stolz die Auszeichnungen der Fielmann Ausgebildeten: „In den letzten fünf Jahren stellte Fielmann beim Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks alle Bundessieger. Und das, obwohl wir nur 5 % der augenoptischen Fachgeschäfte Deutschlands betreiben“, freut sich Hellberg.  Zweistellige Millionenbeträge investiert Fielmann jährlich in die Aus- und Weiterbildung und ist größter Ausbilder der Branche: 40 % aller Lehrlinge der Branche lernen ihr Handwerk beim deutschen Marktführer.

Trotz modernster Technik in den Fielmann Filialen erlernen die angehenden Optiker ihr Handwerk „von der Pike auf“. Das Entwerfen, Sägen, Feilen, Schmirgeln von Fassungen. Von Hand wird Glas ausgemessen, angezeichnet, gebröckelt und geschliffen.

Dass die Schüler und Auszubildenden gerne in die Fielmann Akademie kommen, liegt nicht nur an dem außerordentlich schönen Ambiente und der Tatsache, dass alle im Schloss und den angeschlossenen Gästehäusern untergebracht sind. Auch das Essen erinnert nicht an eine Mitarbeiterkantine sondern eher an ein edles Restaurant. Alle hier verarbeiteten Lebensmittel stammen aus nachhaltiger, biologischer Landwirtschaft und Viehzucht. Schließlich ist Fielmann nicht nur Brillen- sondern auch Biobauer, bewirtschaftet in Schleswig-Holstein mehr als 2000 Hektar Land.

Im untersten Geschoss des Schlosses liegt das Reich des Küchenchefs Nicolas Will, der u.a. schon im 5-Sterne Landhaus „Zu den Rothen Forellen“ kochte. Er weiß die Qualität der ökologisch erzeugten Waren zu würdigen und freut sich, dass einige Waren, die er verwendet von Günter Fielmann selbst produziert werden.

Ausschließlich Bio heißt es auch im ehemaligen Pförtnerhaus auf dem Schlossgelände. Zum Restaurant umgebaut steht es der Öffentlichkeit zur Verfügung. Hochzeitsgesellschaften nutzen das Schloss als Kulisse für ihre Bilder, und die feierliche Gesellschaft nimmt auf der Terrasse mit Blick zum See Platz.

Die Pracht, in der das weiße Schloss sich heute wieder zeigen darf, verdanken wir Schleswig-Holsteiner Günter Fielmann – einem Brillenkönig mit Weitblick.

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