exklusiv INTERVIEW mit ISGAARD

15.08.2017

Silke Schlüter im Interview mit der Sängerin

1972 unter dem Namen Isgaard Marke in Husum geboren genoss die Sängerin mit der markanten Stimme zuerst eine klassische Gesangsausbildung, bevor sie sich der Popmusik verschrieb. Zu ihren größten Hits zählen „Ein schöner Tag“ und „Dream of You“ mit dem Danceprojekt Schiller, in denen sie die Refrains sang. 2003 nahm Isgaard an der deutschen Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest teil und belegte mit „Golden Key“ den 7. Platz. Seitdem veröffentlichte die gebürtige Nordfriesin sieben Studio-Alben und singt in der Musikszene „ganz oben“ mit.


Sie leben inzwischen in Niedersachsen. Wie nah ist Ihnen Ihre nordfriesische Heimat heute noch?

Sehr nahe, da meine Eltern nach wie vor in Nordfriesland leben und ich häufig dort bin. Sie betreiben den Westküstenpark & Robbarium St. Peter-Ording, für den ich nebenbei arbeite, denn mein erster Bildungsweg als Werbekauffrau und Typographin galt der Werbung. Somit lag es nahe, dass ich mich um jenen Bereich im Westküstenpark kümmere. Außerdem liebe ich Nordfriesland landschaftlich und bin immer wieder überwältigt, wenn ich in St. Peter-Ording am Strand spazieren gehe. Der Wind und das Meer! Wundervoll! Heimat pur!

Wie sind Sie zum Gesang gekommen?

Ich habe in meiner Kindheit oft Nachmittage lang in meinem Zimmer gesessen und Musik gehört. Als ich das erste Mal Kate Bush im Radio hörte, deren Stimme ich nahezu imitieren konnte, war für mich klar, dass ich Sängerin werden wollte. Im Teeniealter habe ich dann in einem kleinen Chor mitgesungen, geleitet von unserem Dorforganisten – damals für mich die einzige Möglichkeit, in der Öffentlichkeit zu singen, denn Bands und Musiker waren in meiner Jugend in Langenhorn/Nordfriesland eher rar. Weiterhin haben mich die Musical-Platten meiner Eltern inspiriert, denn auch hier habe ich mich stimmlich  wiedererkannt.

2003 war Ihr Name durch die Teilnahme am Vorentscheid zum Grand Prix (heute Eurovision Song Contest/ESC) in aller Munde. War das die Eintrittskarte zum Erfolg?

Für das, was ich musikalisch ausdrücken wollte, war die Teilnahme eher kontraproduktiv. Künstler, die damals beim Grand Prix auftraten und nicht sofort megamäßig „durch die Decke gingen“, wurden von den Medien sofort abgestraft: „Wir spielen bzw. rezensieren keine Grand Prix Künstler.” Aber damals war ich jung, hatte meinen ersten Plattenvertrag und hab mich letztendlich dem gefügt, was meine Plattenfirma mir zu meiner ersten eigenen Albumveröffentlichung als Vehikel mitgeben wollte. Die Eintrittskarte zum
Erfolg war dann eher die Zusammenarbeit mit dem Danceprojekt Schiller.

In der Musikszene gelten Sie als „Gesangs-Chamäleon“? Woher kommt das?
Mag sein, dass es daher kommt, dass ich eine klassische Gesangsausbildung habe und somit klassische Stimmenelemente mit Popstimmen-Elementen verbinde. Außerdem habe ich immer mit meiner Stimme experimentiert und auch Farben, die eher im Ethnobereich zu finden sind, integriert. Dieser Mix ist es allerdings auch, der meine Musik nicht auf Anhieb der breiten Öffentlichkeit zugänglich macht. Ich polarisiere extrem. Segen und Fluch zugleich. Damit muss ich leider leben.

Welches sind Ihre größten Erfolge und welches ist Ihr persönlicher Lieblingssong im eigenen Repertoire?
Meine größten Erfolge sind tatsächlich die beiden Hit-Singles „A Beautiful Day” und „Dream Of You” mit Schiller. Meine persönlichen Lieblingssongs wechseln häufig. Meist gibt es einen neuen Favoriten, wenn ein neues Album entsteht, wie jetzt gerade. Mein derzeitiger Lieblingssong heißt „Whiteout Part III” und stammt von meinem neuesten Album „Whiteout“.

Welche Musik hören Sie privat?

Kate Bush, U2, Tori Amos, Pink Floyd, Björk, Maria Callas, Avo Pärt, Thomas Tallis, Peter Gabriel, Loreena Mc Kennitt und Lunatic Soul. Sehr gerne höre ich Nachtsendungen auf Klassik Radio, da hier oft interessante Projekte aus aller Welt vorgestellt werden.

Wo geht Ihre musikalische Reise hin?
Das sind Entscheidungen, die ich immer zusammen mit meinem Projektpartner Jens Lueck treffe. Er produziert, komponiert, spielt Drums und Keyboards. Meist entsteht das sehr im Fluss, denn wir stehen beide nicht gern auf der Stelle und es ist eine Art „musikalischer Hunger“, der uns treibt. Der Mainstream langweilt uns und wir finden es schade, dass etwas so Emotionales wie Musik von fast allen Medien auf einen kleinen, ewig gleichen Bereich reduziert wird. Der ESC war da gerade wieder ein gutes Beispiel: Bis auf wenige Darbietungen war das alles 08/15-Musik, wenig unterscheidbar und aufgeblasen durch eine riesige Show. Umso interessanter war der Sieg des portugiesischen Songs, der sich in allen Belangen, auch in der optischen Umsetzung, komplett abseits des Mainstreams bewegt hat. Die Worte des Sängers nach seinem Sieg haben uns aus der Seele gesprochen.
 
Verraten Sie uns, worauf sich Ihre Fans als nächstes freuen können? Können wir Sie irgendwo mal live erleben?
Wir sind sehr viel live mit der „Live-Film-Musik-Show ISLAND 63° 66° N & Special-Guest
ISGAARD” unterwegs. Auf meiner Homepage www.isgaard.com sind die Tourdaten zu finden. Leider sind wir in naher Zukunft nicht im Norden unterwegs. Und natürlich gehen die Gedanken schon wieder in Richtung des nächsten Albums.

Können Sie von der Musik leben?

Ja, ich kann von „der Musik an sich” leben, aber auch, weil ich nebenbei noch als Gesangslehrerin und Pädagogin für musikalische Früherziehung arbeite. Ein zweites berufliches Standbein ist die Arbeit für den Westküstenpark meiner Eltern. Ich liebe es, gemütlich mit ´ner Tasse Kaffee auf meiner Couch zu sitzen, um administrativ zu arbeiten und Kreativprozesse zu begleiten. Ein entschleunigtes Kontrastprogramm zu meinem sehr rasanten und unruhigen Lebensstil.

Fast jeder hat irgendeinen liebenswerten „Spleen“. Sie doch bestimmt auch…?

Mir fällt nicht so wirklich etwas ein, außer, dass ich manchmal so schlimme Lachkrämpfe ob der banalsten Dinge, Aussagen oder Geschichten bekomme, dass ich mich minutenlang nicht wieder einkriege. Schon als Kind und Jugendliche bin ich teilweise auf allen Vieren aus dem Klassenraum gekrochen, um den Unterricht nicht weiter zu stören.

Vielen Dank für das Gespräch!

Dafür nicht! :-)))))

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