Magie der Midlands - Ireland´s Ancient East

13.08.2017

Reisebericht Irland - Teil 2

Die Geschichte beginnt ungefähr so:
Als der ausgezeichnete irische Reisejournalist Pól Ó Conghaile für den Irish Independent unterwegs in den Midlands ist und einen Abzweig zur Wüstung Rindoon entdeckt, verschwindet er für mehrere Tage in der zauberhaft entlegenen Welt des Lough Ree. Umgeben von den drei Countys Roscommon, Westmeath und Longford stößt der Autor mehr zufällig als gezielt auf Kulturstätten von Weltrang und trifft auf kaum eine Menschenseele. Zum Schluss wird er schreiben, dass Lough Ree, diese Schwellung im River Shannon, eine der liebenswertesten Landschaften in Irlands historischem Osten ist.
Und doch bliebe sie entschieden off-radar wie etwa die Rindoon Peninsula. Auf einem viereinhalb Kilometer langen Rundweg am Seeufer und über Stock, Stein und Kuhfladen gelangt der Mann mit dem altirischen Namen bis zu einer efeuumrankten Schlossruine, dem Stumpf eines alten Windmühlenturms und dem Gerippe einer Kirche. Aus einer anglo-normannischen Festung erwachsen, bilden sie heute die wundersam verlassene und nur von malmenden Schafen bewachte Wüstung Rindoon. So ist Conghaile ins 13. Jahrhundert zurückgestapft, jetzt will er auch aufs Wasser. Zu Hilfe kommt ihm ein Typ mit schlohweiß wallendem Haar, der einem Wikingerboot entsprungen sein könnte. Nur fährt dieser Terry Benson ein Speedboot mit jeder Menge aufgepflanzten Angelrouten, auf dem Barracuda Boat Trips steht. Und der Zeitwanderer landet auf dem entlegensten Außenposten des Sees, der von Vieh gesprenkelt ist und eine frühchristliche Ruine birgt.
Terry rückt indessen ab, um ein paar Angeln auszuwerfen. Und als Conghaile von seinerWanderschaft aus der Lost World on the L ake mit Kuhdung verschmiert und über beide Oh-ren strahlend zurückkehrt und Terry seine Fotos zeigt, sagt dieser: „Ich liebe das hier oben. Es gibt nur eines auf der Welt, was Du nicht tun kannst. Und das ist ewig leben.“
Der Lough Ree misst 105 Quadratkilometer und sein altirischer Name birgt eine tiefere Bedeutung. Loch Rí auf Irisch heißt See der Könige. Bei der Stadt Athlone mit ihrer wuchtigen Burg bucht Pól Ó Conghaile eine gemütlichere doch nicht weniger zeitgemäße Schiffstour mit Viking Ship Cruises. Auf ins 9. Jahrhundert als die Wikinger mit ihren Booten in diese Fahrwasser gelangten und mit Namen wie „Olaf der Grindkopf“ nicht unbedingt ein willkommener Anblick waren. Unterwegs auf dem See erzählt der Kapitän allerhand Geschichten während die Passagiere mit bereitgestellten Ferngläsern flüchtige Einblicke in die farbenprächtige Vogelwelt erhaschen. Und so tuckert man dahin, geht der Welt verloren und Stück für Stück offenbart sich die Magie der Midlands. Zuletzt gelangt der irische Reisejournalist auf die County Longford-Seite des Lough Ree nach Saints Island, die Insel der Heiligen, mit einer Klosterruine aus dem 13. Jahrhundert. Dann fährt er mit einem Fahrrad von Athlone Bike Tours einen 40 Kilometer langen Radweg entlang einer alten Eisenbahnstrecke ab, begegnet nicht einem Touristen, genießt aber fantastische Panoramablicke von einer normannischen Hügelburg und landet am Ende der Reise am Corlea Trackwaybei einem hübschen Städtchen namens Keenagh. Dort hat man in den 1980er-Jahren einen Moorpfad aus der Eisenzeit freigelegt. Weshalb dieser Pfad etwa um 148 v. Chr. entstanden ist, darüber sinniert Conghaile mit dem Tour Guide Noel Carberry von Heritage Ireland, der ihm die Geschichte bildhaft veranschaulicht. Die Theorien reichen von einem der frühesten Handelspfade der Geschichte bis hin zu einem heidnischen Pilgerpfad, der die Lebenden mit den Toten verbinden sollte. Zwei Moorleichen und archaische Butterfässer hat man in der Nähe unter der Erde gefunden, erklärt Noel und gibt dem Zeitreisenden Conghaile eine simple Frage mit auf den Weg zurück in die Gegenwart: „Es gibt zu denken auf, was da draußen noch alles begraben liegen könnte.“ Off-radar, versteht sich.

Zeitreise durch 5000 Jahre
Drei einzigartige Regionen – das Land der 5000 Sonnenaufgänge, das historische Herz und die keltische Küste bilden Irland‘s Ancient East. Und wo immer man in diese Welt eintaucht, nimmt sie einen sofort für sich ein. Die Landschaft ist sanft und hügelig, von vielen Grüns gepolstert und hat wegen ihrer Üppigkeit schon die frühesten Siedler zu großen spirituellen Bauformen inspiriert. Herzstück des alten Ostens ist das Boyne Valley mit dem Hill of Tara (Hill of Uisneach) und den monumentalen neolithischen Ganggräbern von Newgrange, Knowth und Dowth.
Bis heute wird hier die Wintersonnenwende nach keltischen Ritualen gefeiert und im Mai begeht man den Sommeranfang mit dem Uisneach Festival of Fire. Andere Orte für wundersame Entdeckungen sind die frühchristlichen Klostersiedlungen Glendalough, Mellifont Abbey, Jerpoint Abbey und Holycross Abbey. Allen gemeinsam ist ihre sanfte Ausstrahlung des Friedens und der Abgeschiedenheit, die sich auch dem Besucher einprägt. Ins mittelalterliche Irland führen die Städtchen des Südostens. Kilkenny lädt auf seine als Touristenpfad ausgewiesene Medieval Mile ein, Waterford zeigt sich mit dem Viking Triangle und das Hook Head Lighthouse auf einer Halbinsel bei Wexford war ursprünglich eine Mönchsgründung des 13. Jahrhunderts und ist einer der ältesten Leuchttürme in Europa. Einen wahrhaften Sprung zwischen den Zeiten erlebt, wer den berühmten Rock of Cashel in der Grafschaft Tipperary besteigt. Das irische Wahrzeichen, im Altertum als Sitz von Feen und Geistern verehrt, wurde umkämpft und im 4. Jahrhundert zum Clansitz der Könige von Munster ausgebaut und war später Bischofssitz. Die wundersam überlagerten Architekturformen des Rock of Cashel sind ein einzigartiges Beispiel für das Ineinandergreifen der heidnischen und christlichen Strömungen im alten Irland. Dazu gehören auch die anglo-irischen Strömungen, die sich besonders in Adelssitzen wie Kilruddery House und Powerscourt Estate in County Wicklow erkennen lassen.
Der Zauber der Landschaft und der Atem der Geschichte verbinden sich überall in Ireland‘s Ancient East und sein erzählfreudiges Volk nimmt Gäste auch gerne mit auf eine persönliche Tour zu den Sehenswürdigkeiten und Festivals. Es steckt große Kraft in diesem historischen Osten, aber auch Ausgelassenheit, Spaß und Unterhaltung gehen mit auf Entdeckungsreise zur altirischen Seele.

Die Irland Information Tourism Ireland ist die touristische Marketing-Organisation der Insel Irland:
www.ireland.com

aktuelle Ausgaben