Wind Technik Nord

09.08.2017

Partner für Windenergie

Das Firmengelände in Enge-Sande

v.l. Dieter Guschewski, Tobias Wippich, Werkstattleiter Jan Paulsen und Nele Jürgensen an einen der selbst entwickelten Schaltschränke

Die Flügel warten auf ihren Abtransport: v.l. Dieter Guschewski, Tobias Wippich, Nele Jürgensen

An der Westküste, wo einst die Idee der Energiegewinnung aus Windkraft geboren wurde, gibt es nur noch einen einzigen Hersteller von größeren Windkraftanlagen: die Wind Technik Nord (WTN) in Enge-Sande. Das unweit der dänischen Grenze ansässige Unternehmen wurde 1986 von Norbert und Agnes Wippich auf dem ehemaligen Gelände der Thordsen-Mühle gegründet. Tobias Wippich, der den Betrieb 2009 von seinen Eltern übernahm, ist stolz auf den nachhaltigen Erfolg, den das mittelständische Familienunternehmen seit mehr als drei Jahrzehnten seinem Team aus engagierten und kompetenten Ingenieuren und Technikern zu verdanken hat. 20 Mitarbeiter sind aktuell auf dem 2.000 qm großen Areal an der Enger Straße beschäftigt. Ihre Büros und die Werkstätten für die elektronisch-mechanische Produktion gruppieren sich locker um die ländlich idyllisch gelegene alte Mühle.
Die windbetriebenen Membranpumpen zur Wasserförderung, mit denen Wippichs Eltern damals angefangen haben, gibt es immer noch. „Nach wie vor überzeugen sie durch ihre einfache und kostengünstige Konstruktion und wartungsarme Langlebigkeit“, sagt der Sohn und erinnert sich, dass bereits 1989 die Zusammenarbeit mit einem dänischen Windkraftanlagenhersteller begann. „Dessen 200 kW-Anlage mit einem 24 Meter-Rotordurchmesser wurde von der Wind Technik Nord weiterentwickelt und erhielt als WTN 200/26 vom Germanischen Lloyd die deutsche Typenprüfung“, berichtet er. Viele dieser robusten und zuverlässigen Windräder drehen sich bis heute in Deutschland, aber auch in Großbritannien, Italien, Indien, Südkorea und in der Türkei. Dass die Qualität oberste Priorität haben soll, war eine frühe und wegweisende Entscheidung der Familie. Ebenso der Entschluss, sich auf 200-600 kW-Windkraftanlagen zu konzentrieren, die groß, aber noch nicht riesig sind. „Die WTN 250 wurde speziell für den ausländischen Markt entwickelt. Als Einzelanlage ist sie für den Strom-Großverbraucher ebenso sinnvoll wie im Windpark-Einsatz zur Einspeisung ins öffentliche Netz“, so Tobias Wippich zum „Bestseller“ seines Unternehmens. Die 500 und 600 kW-Anlagen arbeiten mit 48 Meter-Rotordurchmessern, variabler Drehzahl, Pitchregulierung und ausgereifter Umrichtertechnik. Das erlaubt die Verwendung bei unterschiedlichsten Einsatzbedingungen.
„Bei uns gibt es alles aus einer Hand: die Planung, Produktion und Installation, Wartung und Service vor Ort, bis hin zur Fernüberwachung“, betont der Firmenchef. Zum Kerngeschäft gehört zudem der Vertrieb von gebrauchten Anlagen mit 30 bis 60 Meter hohen Türmen, der stetig wachsende Dienstleistungssektor und das Zubehör: „Eine Besonderheit ist die von uns entwickelte, patentierte Steighilfe LW 50, mit der die körperliche Belastung für die Monteure stark reduziert wird. Damit ist selbst ein mehrfacher Aufstieg unproblematisch“, sagt Projektmanagerin Nele Jürgensen, die auch gerne selbst mal mit rauf geht, denn: „Der Blick von oben ist einfach gigantisch.“
An der Entwicklung der mit einer äußerst robusten Technik ausgestatteten Schaltschränke, ohne die keine Mühle laufen würde, war und ist Werkstattleiter Jan Paulsen maßgeblich beteiligt. „Einige unserer Mühlen stehen schon seit mehr als 25 Jahren am gleichen Standort und funktionieren immer noch einwandfrei“, sagt er zufrieden.
Das Zentrum der Produktion ist eine riesige Montagehalle, in der gerade die Flügel und die Gondel einer für Irland bestimmten 250 kW-Anlage auf ihren Abtransport warten. 15 bis 20 dieser Anlagen werden Enge-Sande in diesem Jahr noch verlassen. „Seit geraumer Zeit entwickelt sich der Servicemarkt in Großbritannien mehr und mehr zu unseren Gunsten“, verweist Finanzvorstand Dieter Guschewski auf die Tatsache, dass es auf der Insel seit 2013 ein Tochter-Unternehmen gibt, mit eigenen Service-Teams in Schottland und England. „Nach wie vor überwachen wir aber die Anlagen von hier aus – 24 Stunden, 7 Tage die Woche“, betont er.
In Zukunft will WTN von Enge-Sande aus weitere neue Märkte erschließen und als Nischenanbieter auf Qualität „Made in Germany“ setzen. Nicht nur Industrieunternehmen und Eigenverbraucher in Deutschland, sondern auch Schwellenländer, Inseln und abgelegene Orte gehören zur Zielgruppe. „Aus Nordfriesland in die Welt! Wir bringen die Windkraft voran“, planen Tobias Wippich, Dieter Guschweski und Nele Jürgensen.

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