Geschmiedete Kunst

01.06.2017

Der Eisenmann

Rhythmisch in einem klirrenden Stakkato fällt der schwere Hammer auf das glühende Eisen.  Mit jedem Schlag verändert sich die Form des Stahls. Flammen lodern in der Esse, mit dumpfen Schlägen fällt der Hammer auf das Werkstück und Funken sprühen wie ein Feuerwerk. Immer wieder schiebt Uwe Tittel den heißen Stahl in die Esse und häufelt glühende Steinkohle drüber. Nach bereits wenigen Schlägen ist erkennbar: Hier entsteht ein Messer. Wie ein altes Sprichwort schon sagt: „Man muss das Eisen schmieden, solange es heiß ist.“
Uwe Tittel hat das alte Handwerk bereits vor Jahren für sich entdeckt. Nicht explizite als Beruf, sondern vielmehr als Ausgleich zu seinem stressigen Berufsalltag, wie er sagt. So kreativ wie der 44-Jährige ist, so vielseitig ist auch sein beruflicher Werdegang. Erst ist es eine Maurerlehre, die Uwe Tittel absolviert, später erlernt er das traditionelle Handwerk des Kunstschmiedes und ist jetzt, nach abgeschlossener Ausbildung zum Rettungsassistenten, Lagedienstführer der kooperativen Regionalleitstelle Nord in Harrislee.  Ach ja, zwischendurch war er auch noch als Bildjournalist für Printmedien bei tätig. „Ich war schon immer neugierig, wissbegierig und es macht mir bis heute Spaß, mich immer wieder fortzubilden und Neues kennenzulernen oder zu entdecken“, beschreibt er seinen beruflichen Werdegang und vielleicht auch sein Leben. So hat er vor 15 Jahren gemeinsam mit seiner Frau eine alte Stadt-Villa gekauft und diesem Gebäude Schritt für Schritt in Eigenarbeit ein neues Gesicht gegeben. „Da sind mir meine handwerklichen Fähigkeiten natürlich eine große Hilfe gewesen“, erzählt er rückblickend.
Im Garten und am Haus – überall sind seine schmiedeeisernen Unikate zu sehen, geradezu zu bewundern. Jedes für sich trägt die handwerkliche Handschrift von Uwe Tittel. Hergestellt werden diese schweren Dekorationen oder Arbeiten in einer eigenen Werkstatt.  Ein kleines Backsteinhäuschen – eher unscheinbar – in dem sich Ambosse – einer wiegt satte 550 Kilo, Esse, große Maschinen, jede Menge Handwerkszeug und Materialien befinden. Alles ein wenig beengend, dadurch ist aber jeder Handgriff schnell zu erledigen und wenn sich die Esse auf 1.000 Grad erhitzt, wird’s nicht nur eng sondern auch mächtig warm. „Mich hat das alte Handwerk schon immer fasziniert“, bringt es Uwe Tittel auf den Punkt. „Aber das Schmiedehandwerk hatte es mir mit dem Geruch brennender Steinkohle und den sprühenden Funken des glühenden Eisens besonders angetan.“
Nicht nur die Geräte in der Werkstatt sind alt, manche teilweise sogar älter als 100 Jahre, auch die Verarbeitung des Stahls erfolgt nach überlieferten Techniken. Er verbindet Stähle in Handarbeit direkt im Feuer oder mit Nietverbindungen miteinander. „Das ist ursprünglicher und sieht zudem auch besser aus“, meint er mit einem Augenzwinkern und kann historisches dazu beitragen: „Wer damals den Stahl in dieser Form verarbeiten konnte, genoss ein hohes Ansehen. Wer die Schweißkunst beherrschte, konnte Schwerter schmieden und hat folglich die Kriege gewonnen.“
Die Kreativität von Uwe Tittel scheint schier endlos und reicht vom gewaltigen Gartenzaun, über Außenlampen, bis hin zu filigranen Einzelstücken sowie Trauringen aus Damaszener-Stahl für Brautpaare, die etwas ganz Besonderes am Finger tragen möchten, das sie letztendlich immer wieder an den schönsten Tag des Lebens erinnern soll. Exklusiv sind auch die Messer, die der Kunst- und Messerschmied in eigener Herstellung fertigt. Auf jedes Unikat gibt es sogar eine lebenslange Garantie.
Als Klingenwerkstoffe kommen überwiegend niederlegierte Werkzeugstähle und Kohlenstoffstähle zur Verwendung, die ein wesentlich feineres Gefüge aufweisen als die industriell verwendeten rostfreien Stähle. Aufgrund dieses feineren Gefüges lassen sich aus diesen Stählen Klingen mit wesentlich feineren Schneidengeometrien erzeugen, welche den rostfreien Klingen in Bezug auf Schärfbarkeit und Elastizität weit überlegen sind. „Allerdings haben die Klingen den kleinen Nachteil nicht rostfrei, sondern rostträge zu sein, was einen minimalen  Pflegeaufwand erforderlich macht“, erklärt Uwe Tittel. „Die Damastklingen bestehen aus von mir selbst geschmiedeten Damaststählen. Als Griffmaterialien werden überwiegend natürliche Materialien, Edelhölzer, Horn und Knochen verwendet.“
Produziert wird nur auf Nachfrage und das auch immer in einer persönlichen Teamarbeit mit dem Kunden, von der ersten Skizze bis zum hin zum Anbau. Dafür ist auch jede Kunstschmiedearbeit von Uwe Tittel ein Exponat, das es kein zweites Mal gibt. Also nichts von der Stange, sondern etwas für Menschen, die das Besondere lieben. Zudem bietet Uwe Tittel auch ein Schärfservice für Schneidwerkzeuge wie beispielsweise Messer und Scheren an.
Weitere Infos unter www.schlei-schmiede.de

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